Auf dem Hintergrund des gesellschaftlichen und sozialen Wandels, dem
Wandel in der Jugendkultur und dem damit zusammenhängenden Veränderungen
in der Drogenszene ist ein zentrales Anliegen unseres Konzepts die Individualisierung
der Suchttherapie.
Individualisierung heißt hier die Verknüpfung der individuellen Problematik
des jeweiligen Klienten mit dem jeweils geeigneten indikativen Maßnahmen.
Unser Angebot an sozialtherapeutischen und psychotherapeutischen Gruppen
folgt diesem Prinzip.
Das heißt, es sind psychische, körperliche, soziale, motivatonale und
arbeits- und freizeitpädagogische Komponenten vertreten, die jeweils auf
den Einzelnen abgestimmt werden müssen.
6.2 Bezugsgruppen
In diesen sozialtherapeutischen Gruppen geht es um das Erlernen und Erweitern
sozialer Kompetenzen. Die Gesprächsgruppen sind gegenwarts- und zukunftsorientiert.
Die Zusammensetzung der Bezugsgruppen entspricht den Wohngruppen, d.h.,
die im Alltag entstehenden Konflikte können hier direkt aufgegriffen und
bearbeitet werden.
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In diesen Gruppengesprächen wird dem/der Klienten/in quasi ein Spiegel
seines/ihres Verhaltens vorgehalten.
Es geht darum, orientiert an den Grundkonflikten der jeweiligen Persönlichkeit,
Entwicklungsprozesse in Gang zu bringen und sie unterstützend zu begleiten.
Zentrales Thema ist die Auseinandersetzung mit dem Verzicht auf Drogen
und die dabei gemachten Erfahrungen.
6.3. Indikationsgruppen
6.3.1 Frauengruppe
Ziel ist die Aufarbeitung der frauenspezifischen Drogenproblematik. Drogenabhängige
Frauen leben unter gesellschaftlichen Bedingungen, die sowohl auf Entstehung
als auch auf Verlauf ihrer Erkrankung einen spezifischen Einfluss haben.
Die psychotherapeutischen Gruppen werden häufig von Männern dominiert.
Hier gilt es, für Frauen eine angstmindernde Situation und Atmosphäre
zu schaffen, die frauenspezifische Schwierigkeiten ausreichend würdigt,
aber traumatisierende Erlebnisse (wie Gewalt, Missbrauch, Prostitution
etc.) nicht als Rechtfertigungsstrategie benutzt, um weiteres süchtiges
Verhalten zu stabilisieren.
6.3.2 Männergruppe
Bei der Überwindung von Suchthaltungen geht es immer auch um die Herausbildung
einer Identität als Mann oder als Frau. Eine klare Vorstellung dessen, was uns von anderen
unterscheidet, macht uns erst fähig, stabile Beziehungen aufzubauen.
In dieser Gruppe kann es zunächst um eine Aufarbeitung der persönlichen
Geschichte, der eigenen Erfahrung mit Männlichkeit gehen.
Die Themen ergeben sich aus den Anliegen der teilnehmenden Klienten.
Die gesellschaftlichen Umwälzungen der letzten Jahrzehnte, die die Rollen
von Männern und Frauen, ihre Beziehungen zueinander und ihr Selbstverständnis
drastisch verändert haben, führten bei Männern zu erheblichen Verunsicherungen.
6.3.3 Gruppe für Entspannungs- und Wahrnehmungsübungen
In dieser Gruppe geht es um Sensibilisierung der Wahrnehmung.
Sich Zeit nehmen zum Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen.
Wahrnehmung heißt "Wahrheit nehmen".
Die Fähigkeit, sich bewusst zu entspannen, "loslassen"
zu können, ist Toraussetzung für einen neuen liebevollen Umgang mit dem eigenen
Körper.
Es geht darum, sich selbst in einer Weise zu erfahren, die deutlich macht,
dass Leib und Seele nicht gespalten sind, dass man seinen Körper
also nicht als "Lustmaschine", als "Drogenkonsummaschine"
(Petzold) benutzen kann.
In einem geschützten Rahmen können die Teilnehmer spielerisch
entdecken, dass z.B. Ekstase im positiven Sinn auch ohne Drogen möglich
ist.
Dies wird erreicht durch Angebote aus der Tanz- und Körpertherapie,
musiktherapeutische Ansätze, Phantasiereisen, Vermittlung von Meditationstechniken,
dem Einsatz von Ritualen und Interaktionsspielen.
6.4 Themenzentrierte Gruppen
Sie dienen der Vermittlung von Wissen über bestimmte Zusammenhänge
(z.B. HIV Hepatitis, Infektionsvermeidung, was ist Sucht...), dem Einüben
bestimmter Fähigkeiten (Bewerbertraining, Berufsberatung ...) sowie dem
Besprechen spezieller Themen (Anfänger- und Motivationsgruppen...).
6.5 Einzeltherapie
Neben den Therapiegruppen werden therapeutische Einzelgespräche angeboten.
Diese dienen anfänglich der Anamnese und einer vorläufigen Diagnosestellung.
Vor allem in der Anfangsphase haben diese Gespräche stützenden Charakter
und sollen Gruppenfähigkeit bewirken.
In späteren Phasen dienen sie dazu, dem Klienten Zugang zu heiklen Themen
zu ermöglichen oder zur Krisenintervention. Einzelgespräche sind kein Ersatz
für Gruppentherapie und dürfen nicht zur Vermeidung bestimmter Themen in
der Gruppe führen. |